Das Projekt „RiA – Rein in die Arbeit“ unterstützt Zugewanderte bei Sprachförderung, Qualifizierung und Praktika, um den Fachkräftemangel in der Altenpflege in Viernheim und Umgebung zu bekämpfen. So funktioniert es.

In Viernheim und der Umgebung werden Arbeitskräfte für die Altenpflege gesucht. Das Viernheimer Lernmobil will Migranten dafür ausbilden. © Daniel Karmann/dpa

Viernheim. Was bei der Suche nach Arbeitskräften für die Viernheimer Kindertagesstätten ausgezeichnet funktioniert hat, das soll jetzt auch helfen, dringend benötigtes Personal für die Altenpflege zu finden. Der Verein Lernmobil hat gemeinsam mit mehreren Kooperationspartnern das Integrationsprojekt „Rein in die Arbeit“ (RiA) ins Leben gerufen. Ziel ist es, den Teilnehmenden der Sprachkurse einen Übergang in eine berufliche Zukunft zu ermöglichen.

Die zugrunde liegende Überlegung war der akute Fachkräftemangel in Viernheim, der Region und bundesweit. Gleichzeitig sind die Verantwortlichen des Projekts davon überzeugt, dass die vorhandenen Potentiale zugewanderter Menschen bislang nicht ansatzweise in Anspruch genommen worden seien. Diese Diskrepanz erforderte neue Lösungsansätze. In der Brundtlandstadt wurde ein entsprechendes Konzept ausgearbeitet und soll jetzt in die Tat umgesetzt werden.

Viernheimer Projekt läuft noch bis Dezember 2028

Das Projekt läuft seit Januar 2026 noch bis Dezember 2028 und wird im Rahmen des ESF+-Programms „Impulse der Arbeitsmarktpolitik (IdeA)“ des Europäischen Sozialfonds und des Landes Hessen gefördert. Im Fokus sind dabei modellhafte Ansätze, insbesondere für Fachkräfteausbildung in Mangelberufen bei Gesundheit, Soziales, Pflege und gewerblich-technischen Berufen.

Mit dem Projekt „RiA – Rein in die Arbeit Altenpflege“ startet der Verein Lernmobil ein neues, praxisnahes Integrationsprojekt zur Gewinnung von Fachkräften im Pflegebereich. Gemeinsam mit der Stadt Viernheim, dem Eigenbetrieb „Neue Wege“ des Kreises Bergstraße sowie regionalen Pflegeeinrichtungen wie dem Caritasverband Darmstadt, den Johannitern und dem Forum der Senioren wurde das Vorhaben vorgestellt.

Sprachförderung und praktische Erfahrung gehen in Viernheim Hand in Hand

Von Beginn an greifen bei „RiA“ die notwendige Sprachförderung, Qualifizierung und praktische Erfahrungen ineinander. Teilnehmende werden direkt in den bestehenden Sprachkursen angesprochen, absolvieren begleitete Praktika in stationären und ambulanten Einrichtungen und werden eng durch Integrationslotsinnen und -lotsen unterstützt. Ziel ist die Vermittlung in eine Ausbildung oder eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.

Für Bürgermeister Matthias Baaß ist die Arbeitsmarktintegration eine Gemeinschaftsaufgabe: „Und am Ende gewinnt das Gemeinwesen. Die Erfolge bei der Gewinnung von Fachkräften für die Kitas haben sicher Mut gemacht. Das Konzept hat auch die Landesregierung überzeugt, die Hilfe bewilligt hat. Mein Dank gebührt allen, die versuchen, dringend benötigte Arbeitskräfte in den Markt zu bringen.“

Larysa Kay-Kulakowski (3.v.r.), Geschäftsführerin des Lernmobils, stellte bei einer Pressekonferenz in Viernheim das Projekt „Rein in die Arbeit“ vor © Othmar Pietsch

Larysa Kay-Kulakowski, Geschäftsführerin des Lernmobils, blickte bei der Pressekonferenz kurz auf die ersten Schritte zurück. „Es waren viele Gespräche nötig, nur selten musste aber Überzeugungsarbeit geleistet werden. Unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit haben gezeigt, das Projekte Einzelner einfach nicht so effektiv sind wie Netzwerke. Hier ist Viernheim bestens aufgestellt.“ Aber auch in Städten wie Lampertheim, Bürstadt und Biblis, in denen das Lernmobil ebenfalls unterwegs ist, wird es dieses Angebot für Zugezogene geben. Dadurch sollen weitere Synergieeffekte erzielt werden.

Brigitta Eckert ist Mitbegründerin des Lernmobils und war lange Jahre in der Geschäftsführung aktiv. Sie kennt den Verein also aus dem eff-eff und weiß, wie die Abläufe aussehen. „Für die Teilnehmenden der Sprachkurse sind berufsbildende Projekte natürlich eine besondere Motivation, um später einmal aus eigener Kraft sein Leben zu bestreiten. Es ist ein weiteres positives Zeichen in negativen Zeiten.“

Aquise beginnt in den Sprachkursen des Viernheimer Lernmobils

Die Projektleitung liegt in den Händen von Anina Brenneisen, Unterstützung gibt es durch Ina Dewald. Der Ablauf sieht zunächst eine Akquise in den Sprachkursen vor. Danach folgen theoretische und praktische Einheiten in stationären und ambulanten Pflegeeinrichtung. Am Ende werden in einer Prüfung die Kenntnisse abgefragt beziehungsweise überprüft, aber auch der Aufenthaltsstatus der entsprechenden Person.

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Für Oxana Berduta, Fachbereichsleiterin für Sprache und Arbeitsmarktintegration beim Lernmobil, sind berufliche Perspektiven am Ende der Sprachkurse enorm wichtig. „Wir haben großes Interesse an Berufsausbildungen festgestellt und richten die Kurse auch entsprechend aus. Praktika sind stark nachgefragt. Viernheim bietet durch sein über Jahrzehnte gewachsenes Netzwerk hierfür perfekte Bedingungen.“

Betreiber sozialer Einrichtungen setzen große Hoffnungen in das Viernheimer Projekt

Auch Jürgen Hoock, Betriebsleiter des „Forum der Senioren“ verspricht sich viel von dem Projekt „RiA“. „Wir bieten immer wieder Praktikumsplätze in unserem Haus an, um zu sehen, ob es passt. Gerade wurden zwei von vier Bewerbern eingestellt. Deutschland sucht Pflegekräfte in der ganze Welt, warum auch nicht vor der eigenen Haustür? Ich bin optimistisch, dass wir auf diese Art zusätzliches Personal gewinnen zu können.“

Ähnlich sieht es auch Kai Jugenheimer, Regionalvorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe JUH, für seine Organisation. „Dass A und O ist allerdings die Sprache, ohne Deutschkenntnisse fehlt einfach die Kommunikation, was die nicht immer einfache Akzeptanz der Patienten erschwert.

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Othmar Pietsch Freier Autor